Tipp 3 von 33: Die Zwiebel – entdecken Sie die Geheimnisse unter den sieben Häuten…

verschiedene ZwiebelsortenUnfein, Mundgeruch… Und schon der Gedanke ans Zwiebeln schälen treibt vielen die Tränen in die Augen. Eigentlich müssten das Freudentränen sein ;-).

Denn die etwas derb daher kommende Zwiebel (Allium ceba) steckt voller Heilkräfte.

Immerhin waren Zwiebeln sogar an der Abschaffung der Sklaverei in Amerika beteiligt. Ich will ja nicht behaupten, dass Zwiebeln den amerikanischen Bürgerkrieg gewonnen hätten. In ihrem Buch „The Doctor’s Book of Food Remedies“ erzählt Selene Yeager jedoch, dass die Soldaten der Nordstaaten im Jahr 1864 jämmerlich an der Ruhr litten. General Grant telegraphierte daraufhin an das Kriegsministerium: „Ohne Zwiebeln werde ich meine Armee nicht weiter bewegen!“ Einen Tag später waren drei Waggonladungen voll Zwiebeln auf dem Weg zu Grant. Den Rest können wir in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Als eine der ältesten Kulturpflanzen wird sie schon seit mindestens 5.000 Jahren angebaut. Sie dient seither nicht nur als Gemüse- sondern auch als Heilpflanze. Bei den Ägyptern wurde sie den Toten mitgegeben als Wegzehrung auf dem Weg ins Jenseits. Selbst im Grab von Tutanchamun wurden Zwiebelreste gefunden. Zusammen mit Rettichen und Knoblauch waren Zwiebeln die wichtigste Gemüseart, um beim Bau der Pyramiden die Sklaven zu verpflegen.

Auch in den vermutlich ältesten Kochbüchern in der Welt, den Yale Recipes, die in der Bibliothek der Yale Universität aufbewahrt werden, sind Zwiebel-Rezepte enthalten. Diese beiden Tontafeln aus Mesopotamien stammen aus der Zeit um 1750 v. Chr. und sind in einer akkadischen Keilschrift verfasst, die nur von Schriftgelehrten beherrscht wurde. Deshalb enthielten sie vermutlich Rezepte aus der mesopotamischen Haute Cuisine für den königlichen Palast.

Nach Mitteleuropa wurde die Zwiebel (lat. cepula) von römischen Soldaten gebracht.

Was drin ist

Erst mal rund 28 – 30 kcal pro 100 g. Dann die Vitamine B1, B2, B6, C, K und Folsäure. An Mineralstoffen und Spurenelementen sind Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Eisen, Phosphor, Kupfer, Zink, Chlorid, Fluorid, Jodid, Mangan und, wie bei allen Lauch-Gewächsen, reichlich Schwefelverbindungen enthalten, außerdem eine ganze Reihe von Aminosäuren, Flavonoide wie z. B. Quercetin und bei den roten Sorten reichlich Anthocyane (das sind die dunkel-violetten Flavonoide).

Wo sie wächst

Der Ursprung der Zwiebel liegt vermutlich irgendwo im fernen Osten, in den Steppen Mittelasiens, andere Quellen nennen Afghanistan. Es gibt heute keine echte Wildform der Speisezwiebel mehr, man findet höchstens bisweilen irgendwo Verwilderungen.

Zwiebeln mögen milden oder sandigen Lehm oder Lößböden, auf jeden Fall aber sonnige, warme Lagen.

In Deutschland werden Zwiebeln auf einer Fläche von rund 8.000 ha angebaut, geerntet werden rund 300.000 Tonnen jährlich. Von daher sind Zwiebeln für die Gemüsebauern das zweitwichtigste Gemüse nach den Tomaten. Mit einer Anbaufläche von fast 2.000 ha liegt dabei Niedersachsen an der Spitze, gefolgt von Bayern mit über 1.600 ha und Hessen mit etwas mehr als 1.400 ha.

Weltweit liegen Zwiebeln auf Platz 4 der Gemüseerzeugung.

Wann man sie ernten kann

Die Haupt-Erntezeit der Sommerzwiebeln, das sind die eigentlichen Küchenzwiebeln, liegt zwischen August und Oktober. Die späten Sorten sind am besten dazu geeignet, sie bis zum nächsten Frühling zu lagern.

Dann gibt es noch die sogenannten Winterzwiebeln, die im August ausgesät werden und im nächsten Frühjahr heranreifen. Sie werden im Juni geerntet. Sie sind etwas saftiger und milder als die Sommerzwiebeln, können aber nicht so lange gelagert werden.

Wofür sie gut ist

Wollte ich jetzt hier komplett alles aufführen, gäbe das eine ellenlange Liste. Sogar gegen Haarausfall soll die Zwiebel helfen aufgrund der enthaltenen Schwefelverbindungen. Allerdings – sich Zwiebelsaft auf die Kopfhaut zu schmieren, ist wohl nicht jedermanns Sache und so mancher, denke ich, befürchtet über längere Zeit gesehen gesellschaftliche Isolation.

Die in Zwiebeln enthaltenen Thiosulfinate und Cepaene wirken gemäß einer Studie der Universität Mainz entzündungshemmend und antiasthmatisch. Und unsere Jungs hatten bei hartnäckigem Husten immer das Vergnügen, Zwiebelsaft mit Honig verabreicht zu bekommen ;-) (1 große Zwiebel schälen, fein würfeln, 100 g Honig darüber gießen und mehrere Stunden stehen lassen. Dabei entsteht ein Saft, von welchem der Patient jede Stunde einen Teelöffel voll einnehmen soll.)

Was relativ wenig bekannt ist: Zwiebeln enthalten Isorhamnetin und Kaempferol, die eine angeblich vergleichbare Wirkung haben wie bestimmte medizinische Antidepressiva.

In Asien und dem Nahen Osten nutzt man rohe Zwiebeln schon lange zur Behandlung von Diabetes Typ 2. Unter anderem regen Allylpropyldisulfid und S-Methyl-L-Cysteinsulfoxid den Stoffwechsel der Diabetiker an.

Das in Zwiebeln enthaltene Diallyltrisulfid wirkt anscheinend antikarzinogen. Es gibt eine chinesische Kohortenstudie, nach der das Magenkrebsrisiko bei Menschen, die viele Zwiebeln, Knoblauche und andere Lauchgewächse verzehrten, um 40 % reduziert ist. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen in den USA zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Zwiebelkonsum und der Colonkrebsrate (Colon wird ein Teil des Dickdarms genannt).

Haben Sie schon mal für teures Geld im Supermarkt besondere Lebensmittel gekauft, die präbiotisch angereichert waren? O. k., es ist Ihre Entscheidung, wofür Sie Ihr Geld ausgeben. Nur – für Ihre Gesundheit wirklich notwendig sind solche Umsatzbooster nicht. Gerade Zwiebeln enthalten, wie auch Knoblauch und Lauch, natürliche Präbiotika, die Ihr Immunsystem stärken und schädliche Darmbakterien abwehren können.

Das stark antioxidativ wirkende Flavonoid Quercetin kann anscheinend das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall mindern. In Studien wirkte es blutdrucksenkend. In Zellkulturen hemmte Quercetin außerdem das Wachstum von Darmkrebszellen.

Die antiviralen Wirkstoffe in Zwiebeln können bei der Bekämpfung von Warzen helfen: Eine dünne Scheibe auf die Warze legen und ein Heftpflaster darüber kleben. Drei bis vier Mal am Tag wechseln. Wer eine Kontaktallergie auf Zwiebeln hat, darf das leider nicht machen, das gäbe sonst eine sehr unangenehme Hautentzündung.

Ach ja, fast hätte ich die Insektenstiche vergessen: Möglichst sofort ein Stück von einer frischen Zwiebel abschneiden und mit der Schnittfläche auf den Stich pressen und ein paar Minuten darüber reiben.

Auch wenn man mal das Gefühl hat, da würden sich ein paar Pickel im Gesicht entwickeln, dann hilft Zwiebelsaft, er desinfiziert und die Pickel verschwinden recht schnell wieder. Grundsätzlich hilft ein Brei aus sehr fein gehackten Zwiebeln äußerlich gegen Entzündungen und Abszesse. Außerdem können sie durch ihren hohen Zinkgehalt anscheinend auch Altersflecken auf der Haut reduzieren, wie aus Studien des East Birmingham Hospital hervorgeht.

Und noch schnell das Zwiebelsäckchen gegen Ohrenentzündung: Man wickelt eine fein gehackte Zwiebel in ein dünnes Baumwolltuch oder gibt sie in einen Teefilter. Das muss dann erhitzt werden, am besten über Wasserdampf. Dann wird das erwärmte Päckchen auf das schmerzende Ohr gelegt und mit einem Schal oder einem Stirnband festgebunden. Das sollte so ungefähr eine halbe Stunde draufbleiben.

Dies ließe sich jetzt noch eine ganze Weile fortsetzen. Ich fasse die wesentlichen Punkte mal zusammen: Die verschiedenen Inhaltsstoffe der Zwiebeln wirken anscheinend antibakteriell, antiviral, blutbildend, entzündungshemmend, krampf- und schleimlösend, herzstärkend und blutdrucksenkend, blutzuckersenkend, antikarzinogen, anregend auf Magen und Nieren. Das Ergebnis einer Schweizer Studie deutet darauf hin, dass das in Zwiebeln enthaltene Peptid GCPS möglicherweise auch Osteoporose vorbeugen kann. Und natürlich behauptet auch wieder irgend jemand, die Zwiebel wirke aufgrund ihres hohen Enzymgehalts aphrodisierend…

Wenn Sie sich also unter anderem mit reichlich Zwiebeln gesund ernähren, dann haben Sie gute Aussichten, diese ganzen von vielen leider als normal angesehenen Alterskrankheiten zu vermeiden und lange gesund und fit zu bleiben. Und dazu gibt es deshalb jetzt noch drei

Rezepte
denn Sie wissen ja, bei uns heißt es: Schmecken muss es.

Zwiebel-Paprika-Salat

500 g Zwiebeln
2 Paprikaschoten, rot und grün oder gelb
100 ml Olivenöl
2 – 3 EL weißer Balsamico-Essig
Salz
Pfeffer
Thymian (möglichst frisch)

Zwiebeln halbieren und in feine Scheiben schneiden. Geht auch mit dem Gurkenhobel, wenn das Messer richtig scharf ist. Denn wenn die Zwiebel sehr gequetscht wird und dadurch Saft austritt, kann dieser an der Luft oxidieren und die Zwiebel bitter werden. Paprikaschoten waschen, entkernen, die Hälften längs in drei Teile teilen und diese dann quer in feine Streifen schneiden. Zwiebelscheiben und Paprikastreifen mischen.

Für die Marinade das Öl und den Essig mischen, mit Salz, Pfeffer und dem gehackten Thymian würzen. (Ich gebe den Thymian nicht sofort dazu, sondern schlage erst die gewürzte Essig-Öl-Mischung mit einem kleinen Milchaufschäum-Quirl auf und gebe dann erst den Thymian hinein.)

Die Marinade über den Salat geben, alles gut vermischen und ca. 2 Stunden an einem kühlen Platz durchziehen lassen.

Zwiebeln in Wein

750 g Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
40 g Butter oder Alsan
Salz Pfeffer
½ TL Thymian, getrocknet
Saft einer halben Zitrone
1 Prise Zucker
20 g Mehl (1 geh. EL)
¼ l Weißwein, trocken
½ Bund Petersilie

Zwiebeln schälen und in etwa 3 mm dicke Ringe schneiden. Butter oder Alsan in einem Topf erhitzen und die Zwiebelringe darin goldgelb braten. Gegen Ende die zerdrückte Knoblauchzehe dazugeben und noch kurz mit anbraten. Würzen mit Salz, Pfeffer, Thymian, Zitronensaft und Zucker.

Mehl darüber stäuben und ca. 2 Minuten unter Rühren durchschwitzen. Bitte aufpassen, hängt leicht an. Dann den Weißwein dazugeben und das Ganze ca. 20 Minuten leicht kochen lassen.

Zwiebeln in Wein in einer vorgewärmten Schüssel anrichten, mit der gehackten Petersilie bestreuen und sofort servieren.

P.S.: Wer mag, kann zum Schluss noch 1/8 l saure Sahne unterrühren.

Tomaten-Zwiebel-Sauce zu Pasta

1 kg reife Roma-Tomaten
500 g Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
1 TL getrockneter Oregano
Olivenöl
Chiliflocken oder ein paar kleingehackte Jalapeno-Scheiben, je nach Geschmack
Pfeffer, Salz
1 EL Kapern

Die Tomaten waschen, blanchieren und schälen, dann in grobe Würfel schneiden. Die Zwiebeln schälen, je nach Größe halbieren oder vierteln und in Scheiben schneiden, Knoblauch klein würfeln.

In einem Topf mit Olivenöl die Zwiebeln glasig dünsten, dann die Knoblauch- und die Tomatenwürfel dazugeben, ebenso die Gewürze außer den Kapern. Jetzt das Ganze bei kleiner Hitze kochen, bis die Tomaten etwas zerkocht sind. Nun die abgespülten und etwas kleiner gehackten Kapern dazu geben und noch kurz mitkochen. Noch einmal abschmecken und mit Pasta servieren.

Ich nehme dazu am liebsten diese dicken Röhren, die Tortiglioni, und vermische sie vor dem Servieren mit der Sauce.
Sehr praktisches Rezept, wenn man mal nicht so richtig Lust oder nur wenig Zeit zum Kochen hat.

Es ist übrigens durchaus sinnvoll, beim Kochen von Suppen, Eintöpfen oder Saucen die Zwiebelschalen mitzukochen, da sie reichlich Flavonoide enthalten – zu schade zum Wegwerfen. Sie können die Zwiebelschalen dazu in ein kleines Netz oder einen Teefilterbeutel stecken, damit Sie sie zum Schluss nicht einzeln aus der Brühe fischen müssen.

Noch ein Tipp gegen den Zwiebelatem nach dem Essen von rohen Zwiebeln: ein Paar Stengel frische Petersilie essen hilft. Und wenn Sie 1 – 2 Kapseln Kardamom kauen, grummelt es später auch nicht…

Und noch ein Tipp: Ich schneide Zwiebeln auf dem Balkon oder am offenen Fenster. Dann muss ich nämlich nicht weinen.

Bildquelle: © petrabarz – Fotolia.com

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2 Antworten auf Tipp 3 von 33: Die Zwiebel – entdecken Sie die Geheimnisse unter den sieben Häuten…

  1. Marcel Prenz sagt:

    Hallo liebe Jutta,

    Durch das schauen deiner Videos auf deinem Video – Kanal bin ich wieder zu deiner Seite gesurft und was finde ich da ein Artikel über die Zwiebel. Und ehrlich gestanden selbst als gelernter Koch mit Passion zum kochen wusste ich längst nicht so viel über die Zwiebel wie du es in deinen Artikel beschreibst. Doch eines das ist mir aus meiner Kindheit bekannt der berühmte Zwiebelsaft der den Husten bekämpfen soll. Zu meinem Glück plagt mich gerade sehr hartnäckiger Husten und die damit verbundenen Halsschmerzen was mich wiederum daran hindert Videos zu drehen. Dein Artikel passt sozusagen wie die Faust aus Auge und ich werde das altbewehrte Hausmittelchen mal wieder ausprobieren in der Hoffnung den Husten endlich loszuwerden. Freue mich auf weitere Artikel von dir.

    Herzliche Grüße

    Marcel Prenz

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    • Hallo lieber Marcel,

      auf jeden Fall kannst Du viel besser und schneller zwiebeln schneiden als ich ;-). Ich hoffe, der Zwiebelsaft hilft Dir, damit Du ganz schnell wieder fit und gesund bist.

      Liebe Grüße
      Jutta

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