33 Tipps, wie Sie jung, fit und gesund bleiben mit Genuss. Tipp 1: Brunnenkresse

Der berühmteste Pharmakologe des Altertums, der aus Kleinasien stammende Pedanios Dioscurides, (~ 1. Jahrhundert n. Chr.) schätzte schon die wunderbare Heilkraft der Brunnenkresse (Nasturtium officinale).

Hippokrates – das war der mit dem Eid – baute angeblich sein erstes Krankenhaus auf Kos nur deshalb in der Nähe eines Baches, damit er immer frische Brunnenkresse ernten konnte. Und Paracelsus empfahl sie seinen Patienten bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen und zur Blutreinigung.

Auch Hildegard von Bingen beschreibt in ihrer 9-bändigen „Physika“ die Brunnenkresse. Bei ihr heißt sie Bruncrasse und wurde von ihr verwendet gegen Verdauungsprobleme und bei Fieber.

Was drin ist

Wie die anderen Kressearten auch, enthält die Brunnenkresse reichlich Senfölglykoside (Nasturtiin und Raphanol). Daraus entsteht im Körper freies Senföl (Benzylsenföl). Das hilft gegen eine ganze Reihe von Bakterien, die Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen verursachen. Die Brunnenkresse oder auch ein Extrakt daraus wirkt bakteriostatisch, virustatisch und antimykotisch. Vom Darm wird das Benzylsenföl hervorragend aufgenommen. Dabei werden die tiefen Schichten des Darms – anders als bei den meisten Antibiotika – nicht geschädigt. Allerdings sollten Menschen, die einen empfindlichen Magen haben, auch mit Brunnenkresse etwas vorsichtig sein und keine großen Mengen davon verzehren, da es zu einer Magenschleimhautreizung kommen könnte.

Was ist noch drin: Beta-Carotin, die Vitamine B1, B2 und B6, reichlich Vitamin C, ebenso Vitamin K, Folsäure, Eisen, Kalium, Magnesium, Calcium, Kupfer, Mangan und Schwefel, Jod, viele essentiellen Aminosäuren und einige Fettsäuren. Und vor allem – Wasser. Daraus besteht sie zu rund 93 %. Kein Wunder bei einer Pflanze, die am liebsten direkt im Wasser wächst – mindestens aber ganz nah dran.

Wo sie wächst

Die Brunnenkresse liebt nährstoffreiche Quellen und Bäche, sonnig bis halbschattig. Auch an oder in Teichen kann man sie antreffen, wenn ein Bach hindurchfließt.

Die Brunnenkresse ist auch ein Indikator für die Sauberkeit des Gewässers. Das ist einer der Gründe, warum sie seltener geworden ist. Glücklicherweise kann sie kultiviert werden. Das ist in Deutschland schon am Anfang des 18. Jahrhunderts geschehen, und zwar in Dreienbrunnen bei Erfurt. Dort, im Kressepark Erfurt, wird die Echte Brunnenkresse seither in Wassergräben, sogenannten Klingen, angebaut. Wesentlich größere Mengen wachsen in England, wo sie schon immer in der Küche sehr geschätzt wurde.

Wann man sie ernten kann

Theoretisch könnte man Brunnenkresse das ganze Jahr über ernten, d. h. sie ist das ganze Jahr über genießbar. Am besten schmeckt sie jedoch außerhalb der Blütezeit, also von September bis April/Mai. Nach der Ernte sollte man die Pflanze gut waschen und in das erste Wasser möglichst etwas Essig geben, um eventuell anhaftende Parasiten zu entfernen. Das kann schon mal passieren, wenn der Bach zum Beispiel durch oder neben Weideland für Rinder oder Schafe fließt.

Wenn Sie Brunnenkresse sammeln, bitte ich Sie, darauf zu achten, dass Sie nur die Triebspitzen abzwicken und auf keinen Fall die Wurzeln mit herausreißen. Sonst kann sich die Pflanze nicht mehr weiter vermehren. Solche Plätze, wo sie noch in der freien Natur wächst, muss man pflegen, es gibt nicht mehr so viele davon. Außerdem sollten Sie nur so viel ernten, wie Sie kurzfristig verbrauchen können, denn sie hält sich nicht sehr lange.

Wofür sie gut ist

Wie oben schon erwähnt, wirkt sie durch die Senfölglykoside virustatisch und bakteriostatisch. Auf deutsch: Das Wachstum von Viren und Bakterien wird dadurch gehemmt. Und sie wirkt gegen Pilze (antimykotisch).

Außerdem hilft sie bei Entzündungen der oberen Luftwege, ist stark schleimlösend, galle- und harntreibend, fördert die Verdauung und regt den Stoffwechsel an, also ganz herrlich für eine Frühjahrskur. Aufgrund ihrer blutreinigenden Wirkung wird sie auch bei Gicht, Rheuma, Ödemen und Hautleiden verwendet.

Und sie macht sogar noch schön: Mit dem Saft, Aufguss oder Tonikum können Pigmentflecken wie Sommersprossen oder Altersflecken gebleicht werden, er kann Hautunreinheiten beseitigen, Falten mildern und das Hautbild verfeinern.

Gegen Pigmentflecken soll man mehrmals täglich Tonikum auftupfen.
Bei unreiner Haut und Pickeln täglich 1 – 2 Gläser Kressesaft trinken und das Gesicht mit Kresseaufguss betupfen.
Gegen Falten sollen tägliche Frischkompressen mit Kresseaufguss helfen.

Saft wird aus den Stängeln und Blättern frischer Brunnenkresse in der Saftpresse hergestellt, andernfalls kann auch 1 Handvoll davon in einem Mörser zerquetscht und mit ¼ Liter Wasser aufgefüllt werden.

Für einen Aufguss wird 1 Handvoll frische Blätter mit ¼ Liter Wasser überbrüht, 5 – 7 Minuten ziehen gelassen und dann abgeseiht.

Tonikum stellen Sie her, indem Sie 1/8 Liter Frischsaft oder Aufguss mit der gleichen Menge Wasser verdünnen und dann 2 cl Alkohol zur Konservierung dazugeben.

Natürlich gibt es auch bei diesem Kraut wieder einige Stimmen, die ihm eine aphrodisierende Wirkung zuschreiben. O. k., die Brunnenkresse regt den Stoffwechsel an, fördert, wie man das im Mittelalter nannte, den „Fluss der Säfte“, mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. Eigene Erfahrung habe ich da nicht, wir kommen noch immer ganz gut ohne solche Mittelchen zurecht… ;-)

Wie Sie sehen, haben Sie hier eine richtige Anti-Aging-Pflanze. Und sie hat noch einen weiteren hoch interessanten Aspekt:

Das auf den Senfölglykosiden basierende Phenylethyl-Isothiocyanate (PEITC) könnte, wenn sich die bisherigen Untersuchungen bestätigen, der wertvollste Inhaltsstoff der Brunnenkresse sein. Denn PEITC kann Enzymaktivitäten bremsen, die direkt mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht werden.

Ich zitiere hier aus einem Artikel der Ernährungs-Umschau vom 09.02.2009 über „Chemopräventiv wirksame Isothiocyanate (ITC) in Senf“ von Dr. Thorsten Stahl vom hessischen Landeslabor in Wiesbaden:

„…Eine Zusammenfassung epidemiologischer Studien (6 Kohortenstudien, 74 Fall-Kontrollstudien) zeigte, dass der Verzehr von glukosinolatreichem Gemüse mit einem erniedrigten Krebsrisiko in Zusammenhang gebracht werden kann. Dieser Zusammenhang war neben Lungen-, Magen und Rektumkrebs allem für Colonkrebs deutlich. Ähnliche Ergebnisse erbrachte die niederländische „Cohort Study on Diet and Cancer“. […..]
Zur Lungenkrebsprävention bei Rauchern scheinen Kombinationen von Benzyl- und Phenylethylisothiocynat bzw. Brunnen- und Gartenkresse aussichtsreiche Kandidaten zu sein. Dies ergab eine Pilotstudie mit elf Rauchern, die drei Tage lang zu jeder Mahlzeit 56,8 g Brunnenkresse (~12 mg PEITC) zu sich nahmen. Der Verzehr von Kresse steigerte die Ausscheidung von Metaboliten des tabakspezifischen Lungenkarzinogens (4[methylnitrosamino]-1-[3-pyridyl]-1-butonon, NNK) um mehr als 30 %…“

Und was schließen wir daraus? Brunnenkresse essen und mit dem Rauchen aufhören ;-).
Trotz Smiley – das meine ich ernst.

Rezepte

Jetzt wissen Sie, wo Sie Brunnenkresse her bekommen können, was drin ist und was die Inhaltsstoffe bewirken. Nun muss sie nur noch in möglichst leckerer Form auf den Tisch. Und das ist recht einfach.

Sie können die Blätter abzupfen und in einen Salat dazugeben. Das passt sehr gut bei allen Blattsalaten. Sehr lecker und aromatisch ist natürlich auch ein Salat aus einer Mischung mit anderen Wildpflanzen wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Giersch, Bärlauch, Schafgarbe, Wegerich, Melde, Scharbockskraut, Vogelmiere, Klee, Taubnessel, Wiesenkerbel, Sauerampfer… Es gibt so vieles, das man nicht nur essen kann, denn das genügt mir nicht, sondern das auch lecker schmeckt. Wegen evtl. vorhandener Oxalsäure (die ist übrigens auch im Blattspinat) sollte man für das Dressing immer etwas Zitrone zur Neutralisierung verwenden.

Die Blätter passen auch sehr gut zu einem Kartoffelsalat oder Eiersalat.

Ganz nach Geschmack können Sie Brunnenkresse auch zum Frischkäse oder Quark geben, für ein Pesto, in Kräutersaucen oder Kräuterbutter verwenden, in Saucen, Suppen oder Eierspeisen.

Kresse-Rahm-Sauce

250 ml Rahm (Sahne)
2 – 3 Handvoll Brunnenkresse-Blätter, klein gezupft
½ TL Instant-Gemüsebrühe (am besten natürlich selbst hergestellt)
1 TL Mehl
1 EL eiskalte Butter
Salz, Pfeffer

Lassen Sie die Sahne mit dem Instant-Gemüsebrühe-Pulver ein paar Minuten leicht kochen, geben Sie dann das in kaltem Wasser angerührte Mehl unter Rühren in den Kochtopf. Noch einmal ein paar Minuten leicht köcheln lassen. Dann die kalte Butter in Flöckchen mit dem Schneebesen unterschlagen. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken, den Topf vom Herd nehmen. Dann erst die klein gezupfte Brunnenkresse unter die Soße rühren.

Passt sehr gut zu Nudeln, Gnocchi, Käseravioli. Und ganz besonders gut zu einem Grünkernbraten, finde ich. Carnivoren mögen sie vermutlich lieber zu einem Putenschnitzel oder Schweinefilet ;-).

Brunnenkresse-Suppe

ca. 4 Handvoll Brunnenkresse, klein gezupft
1 Zwiebel, kleingehackt
1 EL Mehl
1 l Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
2 EL Schmand

Zwiebel in Butter oder Alsan glasig dünsten, Mehl dazugeben und gut verrühren. Dann nach und nach unter ständigem Rühren die Gemüsebrühe dazugeben. Zwischendurch immer wieder aufkochen lassen, damit sich keine Klümpchen bilden. Etwa 10 Minuten leicht kochen lassen. Dann den Topf vom Herd nehmen, die Brunnenkresse dazu geben und das Ganze pürieren. Mit Salz und Pfeffer würzen, den Schmand unterrühren.

Kräuterquark in Pfannkuchen

160 g Mehl
4 Eier
225 ml Milch
Salz

250 g Quark
1/8 l Sahne
1 Knoblauchzehe
2 Handvoll Brunnenkresse, klein gezupft
wahlweise Brunnenkresse gemischt mit Schnittlauch, Sauerampfer, Petersilie, Liebstöckel u.a.
Salz, Pfeffer

Eier in eine Schüssel aufschlagen und leicht verrühren, abwechselne das gesiebte Mehl und die Milch unterrühren, bis ein glatter leicht flüssiger Teig entsteht. Salzen. Dann in einer Pfanne mit wenig Butter dünne Pfannkuchen backen.

Quark mit der klein gezupften Brunnenkresse oder den gemischten Kräutern und der zerdrückten Knoblauchzehe mischen. Salzen und Pfeffern. Sahne steif schlagen und unter den Quark heben. Die Pfannkuchen damit bestreichen und aufrollen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit und viel Spaß, falls Sie die Brunnenkresse selbst sammeln. Es ist phantastisch, was man alles findet im Garten von Mutter Natur… Dazu noch sehr, sehr gesund, super lecker und absolut Geldbeutel schonend ;-)

Und da die Wildkräuter-Saison in diesem Jahr jetzt erst so richtig beginnt nach dem langen Winter, zeige ich Ihnen hier noch zwei überaus brauchbare Bücher.

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Eine Antwort auf 33 Tipps, wie Sie jung, fit und gesund bleiben mit Genuss. Tipp 1: Brunnenkresse

  1. Hofer Andreas sagt:

    Das stimmt,es gibt nichts gesünderes als die Brunnenkresse.
    liebe Grüße, ANDY aus der Oststeiermark

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